| Die Ottheinrich-Bibel |
|||
|
Die Königin der deutschen Bibeln Ein Prachtwerk der Regensburger Buchmalerei aus der Bibliotheca Palatina Um 1425 ließ ein namentlich nicht bekannter höfischer Auftraggeber in Regensburg
eine der wunderbarsten deutschen Bibelhandschriften anfertigen. Seit dem 10. Jahrhundert wirkten die
Regensburger Buchmalerate-liers schulbildend im gesamten Donauraum: Die dor-tigen Klöster waren auf illustrierte
Prachthandschriften spezialisiert, die heute noch durch ihre qualitätvolle Ausarbeitung und
schöpferische Eigenständigkeit be-eindrucken. Die ältesten illustrierten Evangelien in deutscher Sprache Überliefert sind acht Bände mit den Texten des Neuen Testaments in deutscher Übersetzung, von denen sich drei heute in der Bayerischen Staatsbibliothek befinden. Die ersten beiden Bände der Ottheinrich-Bibel, aus konservatorischen Gründen heute in einem Band zusammengefaßt, enthalten unter der Signatur Cgm 8010/1.2 die Evangelien nach Matthäus und Markus sowie Teile des Lukas-Evangeliums. Ihr Stellenwert unter den Meisterwerken deutscher Kunst ist nicht hoch genug einzuschätzen. Auch aus sprachgeschicht-licher Sicht ist die Ottheinrich-Bibel von höchstem Interesse - bis zu Luthers Übersetzung des Neuen Te-staments sollten schließlich noch 100 Jahre vergehen. Wettstreit der Besten Die Ottheinrich-Bibel ist ein höfisches Prachtwerk, aufwendigst illustriert, mit viel Gold und kostbaren Farben. Schon der ursprüngliche Auftraggeber wollte offensichtlich nicht einfach eine Prunkhandschrift bestellen, sondern ein Werk besitzen, in dem das Können der hervorragendsten Künstler seiner Zeit kulminierte. Die beiden Hauptmeister stammen aus dem Umkreis des bedeutendsten Regensburger Künst-lers der Zeit, des Meisters der Worcester-Kreuztragung. Sie werden nach den jeweils von ihnen gestalteten Evangelien in der Ottheinrich-Bibel Matthäus- und Markusmeister benannt. Höfischer Luxus auf feinstem Pergament Auf 78 Blättern im repräsentativen Format von 53,2 ¥ 37,2 cm stehen 46 Miniaturen auf Blattgoldgrund, der zusätzlich mit feinster Goldziselierung verziert ist. Die Miniaturen, die meist die halbe oder sogar ganze Seite ausfüllen, erinnern in ihrer Anlage und Ausgestaltung an Tafelbilder. Mehr als 40 Pinselgold-Initialen mit farbigen Ranken schmücken den zweispaltig geschriebenen Text. An teuren Deckfarben und Gold wurde nicht gespart, um die Textur kostbarer Stoffe, von Perlenstickereien und Edelsteinen auf den Seiten nachzuahmen. Profane Themen aus dem höfischen Leben ver-stecken sich in verspielten Details: Eine Hirschjagd, ein Liebespaar, ein Hofnarr und allerlei bunte Vögel schmücken die Zierranken. Unverwechselbare Handschrift der Meister Die meisten Miniaturen entfallen auf den stilistisch von Giotto beeinflußten Matthäusmeister. Seine Farbpalette ist auf Lila- und Grautöne abgestimmt, was das Modellierte der Figuren unterstreicht. Auch der Markusmeister verarbeitet italienische Vorbilder. Er ist ein Erzähltalent, der versucht, die darzustellende Szene durch Erweiterungen und Erfindungen dramatisch zu beleben. Beide Maler stammen aus derselben Werkstatt und haben Zugang zu denselben italienischen Vorbildern - keine Seltenheit in Regensburg, wo Meister aus Padua und Verona arbeiteten. Beide Maler entfalten allerdings innerhalb ihres Stilkreises ihre ganz individuelle Malweise bis zur Vollendung. Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges Im Zuge der Eroberung Heidelbergs während des Dreißigjährigen
Krieges verbrachte Herzog Maximilian von Bayern die Ottheinrich-Bibel in die Münchner Hofbib-liothek, von wo sie allerdings schwedische
Truppen 1636 nach Gotha verschleppten. Die Faksimile-Edition: Ein Meisterwerk der Buchkunst Die Ottheinrich-Bibel wurde in einer limitierten Auflage von 980 Exemplaren
im Originalformat von 53,2 ¥ 37,2 cm faksimiliert. In einem aufwendigen Verfahren wurden die Blattgold-, Pinselgold- und diversen Farb-aufträge
des Originals in gesonderten Druckvorgängen originalgetreu wiedergegeben. Von insgesamt 78 Blättern sind 46 durch farbenprächtige Miniaturen
geschmückt. 41 Pinselgoldinitialen gliedern den zweispaltigen, in einer monumentalen Textualis geschriebenen deutschen Text. Der wissenschaftliche Kommentar Ein eigener Kommentarband erschließt Ihnen diese außergewöhnliche Handschrift in all ihrer Pracht: Prof. Dr. Robert Suckale und Prof. Dr. Jeffrey Hamburger unterziehen die Handschrift einer kodikologischen Untersuchung. Die historische Einordnung der Handschrift un d die sprachliche Situierung des frühneuhochdeutschen Textes werden von Dr. Brigitte Gullath und Dr. Karin Schneider vorgenommen. |
|||
|
© 2009 Faksimile Verlag Luzern |