| Das
deutsche Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg |
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Ein festliches Feuerwerk in Farbe und Gold Blüte spätgotischer Buchmalerei aus Süddeutschland Mitten in der bewegten Zeit von Renaissance und Humanismus entstand im Jahre 1520 in Augsburg ein verschwenderisch ausgestattetes, dabei sehr intimes Gebetbuch in deutscher Sprache. Die Fuggerstadt war zur damaligen Zeit nicht nur ein wichtiger Handels- und Finanzplatz sondern auch eines der bedeutenden Zentren der deutschen Buchmalerei. Auftraggeber des Gebetbuches waren Kasimir, Markgraf von Brandenburg-Ansbach und dessen Gemahlin Susanna von Bayern, deren beider Portrait und Wappen die Handschrift schmücken. Markgräfin Susanna war die Nichte Kaiser Maximilians, der zeit seines Lebens als großzügiger Mäzen auftrat und mit Dürer, Cranach und Holbein einige der größten Künstler Europas mit Aufträgen versah. Feuerwerk aus
Farben und Gold Susannas Lebenswelt in ihrem Gebetbuch Die facettenreiche Ausstattung des Gebetbuches zeigt eine Fürstin, für die sich Frömmigkeit und Lebensfreude nicht ausschlossen. Adligen Vergnügungen wie der Jagd ist sogar eine ganzseitige Miniatur gewidmet, die wohl auf einen Vorfall während der Hochzeitsfeierlichkeiten anspielt, als ein von der Meute gehetzter Hirsch in einem Wassergraben ertrank. Herumtollende Putten wirken wie ein Sinnbild unbeschwerter Lebensfreude und erinnern an ausgelassene Festgesellschaften. Daneben finden sich locker in den reichen Bordürenschmuck gestreut kleine Vögel, Hunde, ein Nymphensittich im Käfig und Mitglieder des Hofstaates, zum Beispiel ein Zwerg, der einen zahmen Raben füttert. Farbenfrohe Bilder der Volksfrömmigkeit Doch auch die Auswahl einzelner religiöser Motive und die Abfassung der Gebete in der Volkssprache deuten auf eine starke persönliche Einflußnahme Susannas. Dies zeigt sich in der intensiven Verehrung lokaler Heiliger aus dem süddeutsch-fränkischen Raum und der Anrufungen des Schutzengels und der Muttergottes. Jedes Gebet wird durch eine ganzseitige Abbildung des jeweiligen Heiligen eingeleitet, dabei führen allein 28 der 47 eindrucksvollen Miniaturen durch Vita und Passion Christi. Narziss Renner - Künstler zwischen Tradition und Moderne Wohl während
der Hochzeit beauftragte Susanna den Augsburger Künstler Narziss
Renner mit der Ausstattung ihres Gebetbuches. Renner muß den Geschmack
der Fürstin genau getroffen haben, wie sonst hätte sie dem gerade
einmal 18-jährigen Buchmaler ihr persönliches Gebetbuch anvertraut?
Ihre Wahl wird verständlich angesichts des Ideenreichtums und der
unverbrauchten Natürlichkeit im schöpferischen Ausdruck Renners.
Das kreative Potential des jungen Künstlers wird durch die höchst
eigenständige Rezeption malerischer und druckgraphischer Vorlagen
zusätzlich unterstrichen. Die Verwendung prominenter Vorlagen war
damals weit verbreitet, doch nur wenige erreichten die Qualität der
Altmeister oder konnten diese übertreffen. Bordürenschmuck aus ganz Europa Ein besonderer Reiz
der Handschrift liegt in dem Nebeneinander dreierlei verschiedener Bordürenarten:
Insgesamt 214 Bild- und Textseiten werden von flämisch, italienisch
oder deutsch inspirierten Bordüren eingefaßt. Am häufigsten
begegnen dabei die flämischen Streublumenbordüren. Die leuchtenden
Farben der locker verteilten, farbenfrohen Blüten, Früchte und
kleinen Tieren kommen auf dem spiegelndem Goldgrund besonders zur Geltung.
Das Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg ist in einer limitierten Auflage von 980 Exemplaren erschienen. Alle 378 Seiten des mit Goldschnitt versehenen Gebetbuches werden im Originalformat von 152 ´ 108mm detailgetreu reproduziert. Jeweils vier Zierknöpfe und ein in Silber gefaßtes Medaillon mit dem bayrischen Wappen schmücken den Vorder- und Rückdeckel der in schwarzes Veloursleder gebundenen Handschrift. Der Kommentarband Kunstgeschichtliche Untersuchung durch Ulrich Merkl und codicologische Erschließung von Ute Obhof aus der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. Alle Texte sind von Michaela Neidl transkribiert. Faksimile- und Kommentarband werden in einem schützenden Acrylglasschuber geliefert. Die Dokumentationsmappe
enthält zwei Original-Faksimiledoppelblätter und eine 16-seitige,
illustrierte Informationsbroschüre. Diese Mappe wird auf Wunsch zur
Ansicht geliefert. |
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