Das Stundenbuch der Maria Stuart
Künstlerische Perfektion in kleinstem Format

 

Virtuose Miniaturen

Nur 48 x 32 mm mißt die 308 Seiten starke Bilderhandschrift und stellt doch dank ihrer meisterhaften Ausführung einen späten Höhepunkt in der Geschichte der handgeschriebenen Stundenbücher dar. Eine präzise Zuweisung an einen Künstler ist nur schwer möglich.
Stilistisch und motivisch verweisen die Miniaturen zum einen auf den Meister Jean Bourdichon wie auch auf den Petrarca-Meister, prominenter Vertreter der Schule von Rouen.
Alle wichtigen Textanfänge hat der Maler hervorgehoben, indem er eine Bildseite in architektonischem Rahmen und eine Textseite mit Bordürenschmuck einander gegenüberstellte. Die graziös geschmückten und bis ins Kleinste verzierten Vollbilder stellen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. Die goldenen Architekturrahmen begrenzen die farbenprächtigen, mit viel Liebe zum Detail ausgearbeiteten Bildseiten.

Handschrift des europäischen Hochadels

Das kleinste heute bekannte Stundenbuch ist untrennbar mit dem Namen der schottischen Königin Maria Stuart verbunden, auch wenn es bereits einige Jahrzehnte vor ihrer Geburt im direkten Umkreis des französischen Königshofes entstanden ist. Vermutlich wurde es 1513/1514 anläßlich der Hochzeit von Claude de France mit François Ier geschaffen.
Nach Claudes Tod fiel ihre Privathabe an den Gatten François Ier. Als dieser 1547 starb, ging das Erbe an seinen ältesten überlebenden Sohn Henri II und später an dessen Sohn François II, der im Jahre 1558 mit Maria Stuart vermählt wurde. Doch schon zwei Jahre später starb der König von Frankreich und das Stundenbuch ging an die erst 18-jährige Erbin der schottischen Königskrone über. Da Maria Stuart zu dieser Zeit rechtmäßige Königin von Frankreich war, erschien es selbstverständlich, daß das Stundenbuch bei ihr verblieb.
Von da an lassen sich die berühmten Besitzer der Handschrift, die nie aus adliger Hand gegeben wurde, nachweisen, bis das Stundenbuch 1837 durch die Heirat von Marie de France mit Herzog Alexander in das württembergische Herzogshaus gelangte. In Altshausen wird es seitdem als kostbares Kleinod gehütet.

Überfließender Seitenschmuck

Vor die wichtigsten Textanfänge werden reich verzierte Ornamentseiten gestellt. Bordürenschmuck auf allen vier Seiten hebt die Textanfänge hervor. Symptomatisch für ein Werk am Übergang der Spätgotik zur Renaissance ist dabei das Nebeneinander der traditionellen, flämisch inspirierten Streublumenbordüren und der aus Italien kommenden, moderneren Renaissance-Bordüren mit antikisierenden Motiven. Selbst die Zeilenenden werden noch durch Zierelemente ausgefüllt.

Mehr als 1200 goldene Initialen

Größere Texteinschnitte werden in der Regel durch Überschriften in roter Minuskel eingeleitet. Insgesamt über 1200 ein- bis vierzeilige Goldinitialen heben die Textanfänge hervor. Sie stehen auf rotem oder blauem Grund, der mit geschwungenen Goldlinien durchzogen ist. Die farbigen Grundflächen dieser Initialen folgen einem strengen Wechsel von Rot und Blau, unabhängig von der Größe des Buchstabens.

Meisterwerk der Einbandkunst

Nicht nur wegen seines spektakulär kleinen Formates gehört dieser Einband »à la fanfare« zum Schönsten, was französische Buchbinder des 17. Jahrhunderts geschaffen haben. Das weiche Maroquinleder ist reich in zarter Pointillé-Technik in Gold verziert. Ungewöhnlich ist es, daß die Silberschließen von vorn und nicht von hinten greifen. Die Einrichtung der Schließen auf diese Weise findet sich verschiedentlich an Büchern des französichen Königshauses wieder. Ebenso weisen die zierlichen Fleurs de lys, die auf dem Einband zu sehen sind, auf das Haus Valois hin.

Die Faksimile-Edition – ein Ebenbild des Originals

Alle 308 Seiten des Stundenbuches sind im Originalformat von 48 x 32 mm wiedergegeben. Ein besonderes Druckverfahren wurde angewandt, um alle Details, den ganzen Farbreichtum und den Goldglanz der kleinen Miniaturen und Vignetten originalgetreu nachzuahmen. Auch der Einband wurde bis ins kleinste Detail dem Original nachempfunden. Das Faksimile wird mit einem ausführlichen wissenschaftlichen Kommentar und einer Lupe in einer Leinenkassette ausgeliefert.

Der Kommentarband als Schlüssel zum Werk

Der wissenschaftliche Kommentarband erleichtert den Zugang zu diesem berühmten Stundenbuch. So wird der historische Hintergrund rund um das Haus Valois und um Maria Stuart erläutert, sowie die künstlerische Gestaltung des Buches untersucht. Des weiteren liegt eine vollständige Transkription und Übersetzung des Textes vor. Die beteiligten Experten sind: Hansmartin Decker-Hauff, Eberhard König, Myra D. Orth und Johannes Rathofer.




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