Das Florentiner Stundenbuch des Lorenzo de’ Medici
Haben Sie schon einmal in einem Juwel geblättert?

 

Die Geschichte der Familie Medici aus Florenz verbreitet noch heute einen magischen Glanz. Perfekt verstanden es die Herrscher zur Zeit der Renaissance, politische Macht mit großzügigem Mäzenatentum zu vereinen. Es war Lorenzo de’ Medici, der die Stadt am Arno endgültig zum Mittelpunkt der Frührenaissance machte. Er interessierte sich für die bildenden Künste, förderte Talente wie Michelangelo und da Vinci. Unter seiner Regentschaft erlebte die Buchkunst der Renaissance eine beispiellose Sternstunde. So wundert es auch nicht, daß ihm der Beinamen »der Prächtige« verliehen wurde.

Eines der schönsten Bücher der Frührenaissance

Lorenzos Leidenschaft für die Buchmalerei findet ihren beeindruckenden Ausdruck in dem Stundenbuch, das er 1485 für seine Tochter Luisa anfertigen ließ. Das wunderschön ausgestattete Kleinod mit seinen 236 Blättern im Format 153 x 101 mm gehört bildkünstlerisch und kalligraphisch zum Schönsten, was die italienische Kunst des ausgehenden 15. Jahrhunderts hervorgebracht hat.
Mit Francesco Rosselli konnte Lorenzo de’ Medici einen der begabtesten Buchmaler der Zeit gewinnen. Rosselli wirkte nicht nur in Florenz, sondern erhielt Aufträge aus ganz Europa. Er war für den ungarischen König Matthias Corvinus tätig und arbeitete später an der Bibel des Federico da Montefeltro mit. Für Luisas Schwester Lucrezia fertigte er ein ähnliches Stundenbuch an, das heute in München verwahrt wird.
Auch der Schreiber, Antonio Sinibaldi, war seinerzeit gesucht wegen seiner schönen Schrift. Er konnte es sich sogar leisten, fol. 104v mit seinem Namen zu signieren!

Leuchtende Farben und strahlendes Gold


Das Florentiner Stundenbuch des Lorenzo de’ Medici wird von einem Kalender in blauer und goldener Schrift eröffnet, den bezaubernde Medaillons mit Darstellungen der Monatsarbeiten zieren. Die folgenden fünf Abschnitte werden jeweils durch eine bis in jeden Winkel üppig geschmückte Miniaturen- und Initialenseite bzw. einmal durch eine illuminierte Einzelseite verziert. Jede Schmuckseite umgibt ein mit reichlich Gold verziertes Rahmenwerk aus feinst gemalten Früchten, Blüten, Festons, Tieren, Architekturformen, Kandelabern, Putten und kleineren Bildern in Medaillons.Ein Meisterwerk italienischer Buchbindekunst
Die Florentiner Goldschmiedekunst war schon im Mittelalter hochberühmt. Doch viele Preziosen aus dieser Zeit sind in den Wirren von Revolutionen, Machtkämpfen und Raubzügen verlorengegangen, oder sie wurden eingeschmolzen, um daraus Münzen zu gewinnen. Und so gleicht es einem kleinen Wunder, daß der originale Einband aus dem 15. Jahrhundert des Stundenbuchs des Lorenzo de’ Medici mit seinen aufwendigen Goldschmiedemontierungen und den Schmucksteinen noch erhalten ist.
Seine fein gearbeitete Ausstattung zeigt, wie sehr Lorenzo de’ Medici seine Tochter Luisa geliebt haben muß, denn nur die besten und erfahrensten Handwerker seiner Zeit durften das Kunstwerk zur Vollendung bringenDie Faksimilierung: Sorgfalt Schritt für Schritt
Nachdem das Florentiner Stundenbuch des Lorenzo de’ Medici sich für Jahrhunderte außerhalb Italiens befand, wird es seit dem Jahr 1884 wieder in Florenz in der ehemaligen Bibliothek der Medici, der Biblioteca Medicea Laurenziana unter der Signatur Ashburnham 1874 verwahrt. Vor Ort in Florenz begann der aufwendige Prozeß der Faksimilierung: Jede der 472 Seiten wurde einzeln digitalisiert.
Anhand von Andrucken wird die Farbtreue der Faksimileblätter zur Originalhandschrift überprüft, und jede kleinste Unstimmigkeit solange vermerkt und korrigiert, bis keine Farbunterschiede mehr auszumachen sind. Penibel wird auch die Unterscheidung zwischen den Partien aus glänzendem Blattgold und etwas gedämpfter leuchtendem Muschelgold im Faksimile nachvollzogen.

Das bibliophile Kleinod von Lorenzo dem Prächtigen

Alle 472 Seiten des Stundenbuchs werden im Originalformat 153 x 101 mm wiedergegeben. Der Bildschmuck von Francesco Rosselli versprüht italienische Lebensfreude: Die Seiten des illuminierten Kalenders bringen neben Ranken und goldenen Initialen jeweils ein Monatsmedaillon. Es folgen im Buch insgesamt fünf Seiten mit goldgerahmten Miniaturen und vier Seiten mit prächtigen, miniaturengleichen Initialen, jeweils alle mit einem überbordenden Rahmenwerk. Sieben große historisierte Goldinitialen mit einer einseitigen Blumenbordüre und zahllose zwei- bis fünfzeilige, mit Goldranken verzierte Initialen verteilen sich über das ganze Buch.
Die Bindung erfolgt nach bewährter Buchbindetradition: Die Bögen werden zu Lagen zusammengetragen und diese sorgfältig von Hand an der Buchbinderlade geheftet.
Eine Herausforderung stellt die Herstellung der zahlreichen filigranen Zierbeschläge und der Ziersteine dar, die Spezialisten der Goldschmiedetechnik getreu dem Originaleinband in Florenz anfertigen.
Die Faksimileausgabe erscheint im Faksimile Verlag Luzern in der Edition Bel-Libro in Zusammenarbeit mit dem Verlag Franco Cosimo Panini (Modena). Die Auflage ist auf 980 Exemplare limitiert, von denen nur 180 Exemplare für den deutschsprachigen Raum reserviert sind.
Faksimile und italienischer Kommentar werden in einer edlen mit blauem Samt überzogenen Holzkassette geliefert. Für die 180 Exemplare gibt es einen deutschen Kommentar aus der Feder von Prof. Dr. Eberhard König (Freie Universität Berlin).



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