| Die
Bibel des Federico da Montefeltro
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Denkmal eines glorreichen Herrschers Diese zweibändige Großbibel, die seit 1657 in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrt wird, geht weit über die traditionelle Konzeption einer Bilderhandschrift für den täglichen Gebrauch hinaus. Aufgrund ihrer Abmessungen von ca. 44,2 x 59,6 cm sowie der Anzahl ihrer Blätter - 241 im ersten Band und 311 im zweiten - stellt sie ein besonders imposantes Werk dar, das für die feierliche Präsentation wie geschaffen erscheint; die 42 Großbilder zu den Incipits der einzelnen Bücher der Bibel erwecken den Eindruck von Kunstwerken in einem kostbaren Pergament-Passepartout. Die Miniaturen messen stolze 15 x 26 cm.
Statt einfach von einem Buch sollte man hier eher von einem ganz besonderen Denkmal an die Grandezza eines Herrschers sprechen, nämlich jenes Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino, der - wie konnte es in dieser Zeit auch anders sein? - zwar durchaus die Kriegskunst beherrschte, aber gleichzeitig für seine Liebe zu Kunst und Kultur bekannt war. Unter Federicos Herrschaft erblühte Urbino zu einem bedeutenden Zentrum der Renaissance. Er war es, der den Architekten Luciano Laurana aus Dalmatien kommen ließ, um sich ein Schloß auf einer Bergeshöhe erbauen zu lassen, hoch über einem Abgrund thronend. Doch was von außen wie eine uneinnehmbare Festung aussah, sollte innen zu einem Ort des Rückzugs und der privaten Meditation werden. Federico war es auch, der Künstler wie Melozzo aus Forlì, Justus von Gent, Pedro Berruguete, Piero della Francesca und andere an seinen Hof holte. Schließlich geht auch die Gründung einer der reichsten Bibliotheken des Abendlandes auf ihn zurück, in der er etwa fünfzehn Jahre lang mehr als dreißig Schreiber beschäftigte. Sie transkribierten Bücher, von denen die besten dann kunstfertigen Buchmalern im Florentiner Atelier des Vespasiano da Bisticci anvertraut wurden, die sie für den Herzog standesgemäß dekorierten.
Diesen Weg nahm auch unsere Bibel. Von Ugo Comminelli da Mézières geschrieben und in Florenz innerhalb von nur zwei Jahren illuminiert (1477-1478), sollte sie zum schönsten Codex der Bibliothek ausgestattet werden. Wie uns Vespasiano da Bisticci in seiner Vita di Federico da Montefeltro wissen läßt, war dies »... ein Buch, das in diesem Zeitalter seinesgleichen sucht«, ohne Zweifel ein Hinweis darauf, daß sich sowohl der Auftraggeber als auch die Ausführenden der Tatsache bewußt waren, daß sie es mit einem absoluten Meisterwerk zu tun hatten, für das man weder Kosten noch Mühen zu scheuen hatte: so verwendete man für jedes einzelne Blatt der Handschrift - die insgesamt 552 Blätter zählt - die Haut eines Lammes. Jede Seite des Bandes schmückt ein goldgeziertes Detail. Diese Systematik zieht sich durch das gesamte Buch, von den großformatigen Incipits über die mehr als einhundert belebten Kapitalbuchstaben bis zu den unzähligen kleineren Initialen, deren delikate Rosa- und Blautöne raffiniert mit Gold gehöht sind. Die Maler der Miniaturen Die Dekoration der Bibel wurde Francesco di Antonio del Chierico anvertraut, der damals im Zenit seines Schaffens stand und nur die anspruchsvollsten Auftraggeber bediente. Darunter auch Lorenzo de' Medici, den Herrscher von Florenz, der ihn, wie es heißt, großzügig an den Herzog von Urbino »verlieh«. Neben Francesco del Chierico stößt man in diesem Werk noch auf andere klingende Namen aus der Geschichte der Buchkunst, wie Attavante, Rosselli und mit einiger Sicherheit auch Davide Ghirlandaio, den Bruder des bekannten Domenico. Über diese Meister vereint die Ausstattung der Bibel des Federico da Montefeltro das überreiche Erbe der bildenden Kunst aus dem Florenz des 15. Jahrhunderts. Bei näherer Betrachtung der Bilder erkennt man unschwer die Hand eines Pollaiolo und Verrocchio, eines Domenico Veneziano und Botticelli, so gut wie aller großen Vertreter der toskanischen Renaissance. Die Bibel erscheint so als dasjenige Werk auf Pergament, das gewissermaßen die ganze Kunst dieses Jahrhunderts auf ihrem Höhepunkt bezeugt. Sie ist als bedeutendes Denkmal der Buchmalerei zu werten, als letzte große Bilderhandschrift überhaupt, zu einer Zeit als der Buchdruck mit beweglichen Lettern bereits seinen Siegeszug angetreten hatte.
Wie die Herstellung
des Originals war auch die Produktion des Faksimiles eine außergewöhnliche
Herausforderung. Nicht das kleinste Detail wurde ausgelassen, um dem Betrachter
von heute dieselbe Ehrfurcht zu vermitteln, die wohl auch der Herzog und
seine Würdenträger empfanden, als ihnen das Original vorgelegt
wurde. Dies geht bis zum Beschnitt jeder einzelnen Seite mit einer besonderen
Stanzform, um exakt dem Originalbeschnitt der Seiten zu entsprechen. Die
Heftung der Lagen erfolgte ausschließlich von Hand. Bei der Rekonstruktion
des Einbands griff man auf zeitgenössische Dokumente zurück,
in denen mit Seidensamt bezogene Holzdeckel erwähnt werden, Silberbeschläge
und -schließen, sowie Goldstickerei auf dem Vorderdeckel. Das Motiv
der Stickerei auf dem Deckel ist eine getreue Nachbildung des Wappens
an der Decke des großen Saals in jenem Palazzo von Urbino, in dem
der Codex lange Zeit beherbergt war, würdevoll auf einem prachtvollen
Lesepult ausgestellt. Allein das Binden von nur einem der zwei Einzelbände
nimmt aufgrund der außergewöhnlichen Abmessungen der Handschrift
drei Arbeitstage in Anspruch.
Unter Federführung
des stellvertretenden Leiters der Biblioteca Apostolica Vaticana, Dr.
Antonio Piazzoni, enthält der Band in italienischer Sprache Beiträge
mehrerer angesehener Autoren, von Antonio Paolucci über Giovanni
Morello und Gino Benzoni, bis hin zu Louis Duval Arnoud und anderen. Er
beschreibt die Geschichte des Herzogs Federico da Montefeltro und die
seiner Bibliothek sowie das kulturelle Umfeld von Urbino und setzt sich
mit der Komposition des Codex im Detail auseinander. Die Beschreibung
der einzelnen Seiten der Handschrift stammt von Francesca Manzari.
Die Faksimileausgabe
der Bibel des Federico da Montefeltro umfaßt die vollständige
Reproduktion der beiden Bände Urb.Lat. 1 und Urb.Lat. 2 der Biblioteca
Apostolica Vaticana im Format von ca. 44,2 x 59,6 cm mit insgesamt 1108
Seiten. Die Auflage ist limitiert auf 500 numerierte Exemplare. Die Wiedergabe
des Blattgoldes erfolgt in Folienprägung mit einer anschließenden
originalgetreuen Patinierung. Jede einzelne Seite wird getreu dem Original
randbeschnitten, von Hand geheftet und gebunden. Die Buchdeckel aus Holz
sind mit wertvollem Seidenvelours überzogen. Farbige und goldene
Stickerei zieren den Vorderdeckel. Massive Silberbeschläge auf Vorder-
und Rückdeckel sowie zwei Silberschließen vollenden den Einband. |
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