| Das
Moskauer Stundenbuch |
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| Ein
Glanzlicht der Pariser Buchmalerei
Die Russische Staatsbibliothek in Moskau gehört zu den bedeutendsten
Bibliotheken der Welt. In ihren Beständen finden sich einzigartige
Kleinode der Buchkunst; insbesondere die umfangreiche Sammlung mittelalterlicher
Stundenbücher sucht ihresgleichen. Das prachtvollste unter ihnen
ist das Moskauer Stundenbuch, das unter der Signatur F. 183, Nr. 446 in
der Handschriftenabteilung gehütet wird. Auf insgesamt 235 Blättern im Format 185 × 135 mm entfaltet sich die ganze Pracht französischer Bibliophilie zur Zeit der Spätgotik. Insgesamt 17 erzählende, mit feinem Pinselstrich gemalte Miniaturen geben Zeugnis von der hohen Qualität der Pariser Malateliers. In den Bildern setzten die Künstler gezielt Akzente aus Muschelgold, Pinselgold und Silber auf die leuchtenden Farben. Jede dieser Miniaturen umgibt ein dichtes Rankenwerk aus Akanthusblättern, in das zusätzlich zahlreiche kleine, genau zu identifizierende Blumen und immer wieder Früchte und Tiere eingestreut sind. Verschwenderischer
Schmuck zeichnet auch die Textseiten aus. Die meisten von ihnen besitzen
eine aufwendig gestaltete Bordüre. Zudem veredeln mehr als 1200 ein-
und zweizeilige Goldinitialen die feine Kalligraphie. Das Moskauer Stundenbuch
gehört einer Büchergattung an, die im 15. Jahrhundert zu den
beliebtesten überhaupt gehörte. Spätestens seit dem 14.
Jahrhundert wuchs in frommen Adelskreisen verstärkt der Wunsch nach
privaten Andachts- und Gebetbüchern. Aus den Brevieren und Psalterien
der Geistlichkeit entstand mit dem oftmals reich ausgeschmückten
Stundenbuch eine neue Buchgattung, die als persönliche Gebetssammlung
zur Andacht sich rasch großer Beliebtheit erfreute. Das Geheimnis um den Auftraggeber Wer Auftraggeber des Moskauer Stundenbuchs war, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Das Einhorn-Emblem auf einer Seite der Handschrift könnte einen Hinweis geben, doch ein eifersüchtiger späterer Besitzer hat die zugehörige Devise auf dem Spruchband sorgfältig vom Pergament geschabt. Auch gelang es der Forschung bislang nicht, das Porträt des betenden Stifters auf einem der Blätter im Stundenbuch einem Mäzen des Mittelalters zuzuordnen. Der Ausstattungsreichtum der Bilderhandschrift läßt jedoch vermuten, daß nur ein Angehöriger des hohen französischen Adels sich eine solche Kostbarkeit leisten konnte. Die franko-flämischen Meister als bewundertes Vorbild Das Moskauer Stundenbuch
entstand in den 1470er Jahren in einem Pariser Atelier. Zu dieser Zeit
faszinierte die märchenhafte Hofhaltung der Herzöge von Burgund
ganz Europa. Durch ihr großzügiges Mäzenatentum gelang
der burgundisch beeinflußten Malerei gleich an mehreren Orten der
Durchbruch zu wunderbaren Schöpfungen, die etwa mit Namen wie Jan
van Eyck, Rogier van der Weyden oder Barthélemy d'Eyck verbunden
sind. Gemeinschaftsarbeit zweier Künstler Das Moskauer Stundenbuch
ist eine Gemeinschaftsarbeit zweier Künstler, deren Namen die Geschichte
nicht überliefert hat. Der erste von ihnen, der Hauptmeister des
Stundenbuchs, ist im engsten Umfeld des Coëtivy-Meisters zu sehen,
dessen Atelier damals zu den führenden in Paris zählte. Seine
Kunst ist stark von den Werken Jan van Eycks inspiriert. Er liebt prachtvoll
gekleidete Figuren in schweren Stoffen mit reicher Fältelung.
Die Faksimile-Ausgabe
des Moskauer Stundenbuchs ist weltweit auf nur 980 handnumerierte Exemplare
streng limitiert. Von dieser Auflage konnten für die Kunden des Faksimile
Verlags Luzern exklusiv 250 Exemplare reserviert werden. Prachteinband der Renaissance Vorbild für die Einbanddecke des Faksimiles ist der wundervoll goldgeprägte Prachteinband aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der heute dem Moskauer Stundenbuch ein vornehmes Kleid ist. Der Einband wird nach Frankreich lokalisiert - dem Land, das die Einbandkunst im Lauf der Jahrhunderte perfektioniert hat. Der strahlende Goldschnitt auf allen drei Seiten ist die vollkommene Ergänzung zum Reichtum innerhalb des Buches und seinem prächtigen äußeren Gewand.
Ein profunder Kommentar
von Prof. Ekaterina Solotowa, der russischen Spezialistin für spätmittelalterliche
Buchmalerei, führt anschaulich in die Schönheiten und Geheimnisse
des Moskauer Stundenbuchs ein |
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